Thermomechanische Analyse
Dilatometer TMA 600 - Grundlagen
Bestimmung der thermomechanischen Eigenschaften
Mit der thermomechanischen Analyse werden Längen- oder Dickenänderungen von
Materialien unter Temperatureinfluss aufgenommen. Die Auflösung dieses
Verfahrens ist extrem hoch, so dass auch kleinste Proben und dünne Folien
untersucht werden können.
Der praktische Ablauf der Messung ist einfach. Die Probe wird in einen
Probenhalter aus Quarzglas eingesetzt. Ein Stempel aus Quarzglas ist in Kontakt
mit der Probenoberfläche. Ein Ofen sorgt für eine genau einstellbare und
reproduzierbare Temperatur der Probe, die während der Messung meist
kontinuierlich verändert wird. Die Position des Stempels und die Temperatur der
Probe werden fortlaufend vermessen und aufgezeichnet.
Das aus dieser Aufzeichnung entstehende Diagramm zeigt z.B. die Längenänderung
der Probe mit der Temperatur.
Durch die hohe Anzahl der möglichen Probenhalter- und Stempelformen ist fast
jede Anwendung denkbar, mit der man die mechanische Reaktion der Probe auf eine
beliebig einwirkende Kraft messen kann. Mit einem optionalen Aufsatz kann das
Elastizitätsmodul der Probe unter Temperaturänderung bestimmt werden. Die
Zugfestigkeit lässt sich mit einer speziellen Kombination aus Probenhalter und
Stempel messen.
Vielseitigkeit durch extrem hohe Auflösung
Durch die hohe Auflösung des Systems (Längenänderungen von 20 nm können noch
erfasst werden) lassen sich Ausdehnungen oder Erweichungen von Schichten
bestimmen, deren Dicke nur wenige µm beträgt.
Der Dreizonenofen besitzt eine nutzbare Probenlänge von 50 mm. Über diese Länge
wird in einem Temperaturbereich von Raumtemperatur bis zu 1000 °C ein
Temperaturprofil mit maximal 5 K Abweichung von der Solltemperatur eingehalten.
Der lineare Messbereich des Gerätes mit insgesamt 2,5 mm erlaubt auch eine
sinnvolle Ausnutzung dieser Länge.
Alternativ lässt sich ein Tieftemperaturofen verwenden, der Temperaturen
zwischen -180°C und 500°C und den Einsatz von Kühlmitteln wie Flüssigstickstoff
oder Trockeneis erlaubt.
Für Hochtemperaturbereich (bis zu 1400 °C) gibt es einen speziellen
Hochtemperaturofen. In diesem Fall kann nicht mehr mit Quarzglas gearbeitet
werden. Spezielle Probenhalter aus Al2O3, die bei mehr als
1500 °C noch verwendet werden können, werden hier eingesetzt.
Weiterhin ist es uns möglich, Probenhalter und Stempel anwendungs- oder
kundenspezifisch zu fertigen, womit den Einsatzbereichen des Dilatometers fast
keine Grenzen mehr gesetzt sind.
Eine Vielzahl von Materialeigenschaften können so untersucht werden:
- Ausdehnungskoeffizienten fester Stoffe
- Das Ausdehnungsverhalten geschichteter Materialien
- Phasenübergänge kristalliner Substanzen
- Sinterverhalten von Pulvern
- Umkristallisation in Kunststoffen
- Glasübergang von Kunststoffen und Gläsern
- Spannungen in Kunststoffen durch die Vorbehandlung
- Erweichungsverhalten von Deckschichten
- Kaltfließen und plastisches Verhalten
- Verhalten bei Zugspannung unter Wärmeeinfluss
- Erweichungstemperaturen
- Nicht abgeschlossene Polymerisationsprozesse